Rückblick auf die Housewarming 2026
Bei der renommierten Fachtagung Housewarming 2026 zeigten Handwerkskammer, Hamburger Energienetze und Hamburger Energiewerke den Stand der klimafreundlichen Transformation in der Hamburger Energieversorgung auf
Hamburg, 11. September 2026 – Wie Hamburg bei der klimafreundlichen Transformation der Energieversorgung von Gebäuden vorankommt und welche Technologien zügige Fortschritte versprechen – mit diesen Themen befassten sich am 11. September rund 100 Fachleute aus Politik, Versorgungswirtschaft, Handwerk und Planungspraxis bei der 14. Housewarming-Tagung im Elbcampus der Handwerkskammer Hamburg. Netze und Speicher waren der Schwerpunkt in diesem Jahr. Prominenter Redner war der Regensburger Energieforscher Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner.
Die Relevanz von Energiespeichern unterstrichen bereits die Podiumsgäste in der Eröffnungsrunde mit Dr. Kai Hünemörder vom ZEWU (Zentrum für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik der Handwerkskammer Hamburg). Kirsten Fust, Sprecherin der Geschäftsführung der Hamburger Energiewerke nannte die Einbindung von lokalen Wärmequellen wie industrielle Abwärme und Geothermie sowie Großwärmepumpen einen zentralen Ansatz in der Wärmewende. Michael Dammann von den Hamburger Energienetzen betonte, dass bei elektrischen Batteriespeichern vor allem deren netzdienlicher Betrieb dringend regulatorische Anreize benötigt. Handwerkskammer-Vizepräsident Thomas Rath erinnerte an die Bedeutung der Fachkräftesicherung, um die Energieversorgung auf dem Weg zu einem klimaneutralen Gebäudebestand in den nächsten 15 Jahren ins Werk zu setzen. Nur in einem abgestimmten gemeinschaftlichen Vorgehen könne der der Anteil erneuerbarer Energien, der im ersten Halbjahr 2026 beim Bruttostromverbrauch auf 58 Prozent gestiegen war, weiter deutlich anwachsen und neben der rein elektrischen Versorgung auch für den Wärmesektor stärker nutzbar werden. Einigkeit herrschte in der Runde über die Notwendigkeit, die Versorgung mit Strom, Gas, Wärme und Wasserstoff als System zu begreifen und die Energieträger künftig noch enger zu verknüpfen.
Hamburger Energiewende durch „Zukunftsentscheid“ beschleunigt
Mit dem auf 2040 vorgezogenen Ziel der Klimaneutralität hat Hamburg einen zügigen Handlungsbedarf. Besonders interessant verfolgten die Tagungsteilnehmer daher den Vortrag von Rahel Gessler, Leiterin Klima- und Umweltprojekte und -programme der Stadt Zürich. Die Schweizer Großstadt hat zwar nur ein Viertel der Einwohner Hamburgs und eine deutlich geringere industrielle Dichte. Dennoch sind viele Ansätze aus der Schweiz auch für Hamburg erfolgversprechend. So will Zürich Wärme künftig aus Abwärme und Abfall gewinnen. Züricher Haushalte und Unternehmen profitieren von einem stimmigen Nebeneinander gesetzlicher Vorgaben und Förderung und Beratung beim Ablösen von Öl- und Gasheizungen.
In Hamburg gibt die kommunale Wärmeplanung den Kurs für die Gebäudewärme vor. Die Schwerpunkte stellte Ann-Katrin Knemeyer vor, zuständig in der Umweltbehörde für die Umsetzung der Wärmeplanung. Wie aus der Planung Realität wird, beschrieben Dr. Ulrich Liebenthal von den Hamburger Energiewerken und die Projektingenieurin Reenie Vietheer vom Beratungsunternehmen Averdung in einer anschließenden Talkrunde. Tom Lindemann von den Hamburger Hamburger Energienetzen stellte den Stand beim Aufbau des Hamburger Wasserstoff-Industrie-Netzes HH-WIN vor. Das Netz wird vor allem für Industrieunternehmen, aber auch für große Wärmeerzeugungsanlagen ab Ende nächsten Jahres eine wichtige Option zur Dekarbonisierung bieten.
Speicher müssen Energiewende unterstützen
Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner vertiefte in seinem Vortrag das Thema Systemdienlichkeit vom Speichern. Er gab eine rechtliche und regulatorische Einordnung großer Stromspeicher, vor allem der aktuell vielerorts entstehenden Groß-Batteriespeicher. Solche Anlagen würden heute häufig unter rein kaufmännischen Gesichtspunkten betrieben – speicherten also Strom zu günstigen Nachtstunden ein und gäben den Strom zu preislich attraktiven Spitzenlastzeiten ab. Das sei aber oft problematisch für die Energienetze und die Integration zusätzlicher erneuerbarer Energie in das System. Er stellte klar, dass hier eine kluge Regulierung gefragt sei, die einen Netz- und systemdienlichen Ansatz unterstütze. Nur so könnten Flexibilitäten einen Beitrag leisten, damit Netzausbaukosten im Rahmen bleiben können und die konsequente Fortsetzung der Energiewende gelingen kann. Auch Langzeitspeicher – darunter die Elektrolyse zur Speicherung als grüner Wasserstoff – werde eine wichtige Rolle für die Energiezukunft spielen.
Eine spannende Diskussionsrunde zur Umsetzung elektrischer Speicherprojekte seitens Planern und Handwerk lieferte Prof. Sterner später zusammen mit Nick Zippel, Geschäftsführer der NAEXT GmbH und der Frank ECOenergy GmbH und Bastian Pfarrherr, dem Leiter Netzstrategie der Hamburger Energienetze.
Ein Großprojekt zur Wasserstofferzeugung und -speicherung realisiert derzeit der Oldenburger Energieversorger EWE. Details zu dem 320-MW-Elektrolyseprojekt in Emden und zum geplanten Wasserstoffspeicher im niedersächsischen Huntorf schilderte die Wasserstoff-Expertin Eva Stede von EWE.

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